Natchez IX Kit von 1977
Natchez IX Kit von 1977

Seit sicher ein oder zwei Jahren habe ich nicht mehr in das Online-Auktionshaus mit den vier Buchstaben gesehen. Aus Langeweile habe ich im August mal nach „paddlewheeler“ und „cross stitch“ gesucht. Und was für ein Zufallsfund!! Ein Kit namens „Natchez IX“ von Delta Needlecraft aus New Orleans. Das Design stammt von Marie Mann und ist aus dem Jahr 1977. Wie bei Kits aus dieser Zeit üblich ziert das Deckblatt ein echtes Foto des fertigen Werks. Das Kit besteht aus einer Anleitung, einem Stück off white Aida 14 count, einer Nadel sowie dem nötigen Garn an einer Sortier-Karte. Die Garne sind von DMC. Eine Farbnummern-Liste ist natürlich auch dabei. Der Preis inklusive Versand aus den USA: 17,21 Dollar!! Ein wahres Schnäppchen! Das Muster ist leider nicht sehr detailliert, aber das Einzige, das ich von diesem Boot jemals gesehen habe.

Natchez in New Orleans, 2007
Natchez in New Orleans, 2007

Aber was ist die Natchez IX und was hat es mit der IX auf sich? Die Natchez – verzichten wir mal auf die IX – ist ein echter Schaufelraddampfer, der im Hafen von New Orleans Rundfahrten anbietet. Echter Schaufelraddampfer – weil die Natchez allein über das Schaufelrad angetrieben wird, also keine klassische Schiffsschraube hat, und weil dieses Schaufelrad allein über eine echte Dampfmaschine bewegt wird. Die Natchez wurde nach Plänen von Alan Bates im Jahr 1975 im Bergeron Machine Shop, Braithwaite, Louisiana gebaut. Eigner und Auftraggeber ist die New Orleans Steamboat Company der Familie Dow, in deren Besitz die Natchez bis heute ist. Ihre Dampfmaschine stammt von dem U.S. Steel Corperation´s Schubschiff Clairton (ex Youghiogheny) aus dem Jahr 1925. Am 8. März 1975 wurde sie zu Wasser gelassen und hatte ihre erste Probefahrt am 2. April 1975. Ihr langjähriger Kapitän war Captain Clark „Doc“ C. Hawley. Die Natchez hat übrigens eine Dampforgel, im Englischen calliope, benannt nach einer der neuen Musen, der Kalliope „die Schönstimmige“, der Muse der epischen Dichtung, der Wissenschaft und der Philosophie. Ihrem Beinamen „die Schönstimmige“ wird allerdings eine Dampforgel nur selten gerecht. Eine Dampforgel klingt eher etwas „schräg“. Calliopen sind nicht einfach zu spielen, denn der Ton kommt mit Verzögerung, was so manchen Pianisten irritiert, und der Umfang der Töne ist beschränkt – bei der Natchez sind es 32 Töne. Hier gibt es Hörbeispiele der Calliope der Natchez und hier der Dampfpfeife.

Die IX steht für die römische Ziffer 9 und bedeutet schlicht, dass es sich um das neunte Boot mit diesem Namen handelt. Woher kommt der Name? Natchez ist ein Ort am unteren Mississippi. Der Name des Ortes geht wiederum auf die dort früher siedelnden Natchez-Indianer zurück. Einer der bekanntesten Vorgängerinnen der heutigen Natchez war die Natchez IV. Diese war die große Verliererin eines der bekanntesten Raddampfer-Rennens gegen die Robert E. Lee im Juni 1870. Das natürlich inoffizielle Rennen ging von New Orleans flussaufwärts nach St. Louis. Eine der bekanntesten Darstellungen dieses Rennens ist das Gemälde von Currier und Ives. Allerdings kamen sich beide Boote nie so nahe, wie auf dem Bild dargestellt. Ich hatte mir dieses Bild als Kreuzstich-Vorlage vor einiger Zeit schon bei dieser Seite gekauft, allerdings ist es dort wohl nicht mehr verfügbar. Das Muster besteht aus knapp 40 DIN A4 Seiten und muss wohl warten, bis ich deutlich mehr Zeit habe…

Minne-Ha-Ha, 2010
Minne-Ha-Ha, 2010

Wer übrigens an den Lake George, New York, kommt, sollte den Schaufelraddampfer Minne-Ha-Ha nicht verpassen. Die Minne-Ha-Ha gehört der Lake George Steamboat Company, die ebenfalls im Besitz der Familie Dow ist.

Und was ich in den nächsten Wochen sticke, dürfte nun wohl klar sein :-)!

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