The Great Race
The Great Race

Der zweite Raddampfer des The Great Race ist die Delta Queen. Die Delta Queen wurde von 1924 bis 1927 am Fluss Clyde in der Isherwood Werft in Glasgow, Schottland, zusammen mit ihrer Schwester Delta King gebaut. In Einzelteile zerlegt kamen beide Raddampfer in die Banner Island Werft in Stockton, Kalifornien. Dort wurden sie zusammengebaut und mit den hölzerenen Aufbauten versehen. Am 20. Mai 1927 wurden die beiden Raddampfer fertiggestellt, die aufgrund ihrer Baukosten den Spitznahmen „The Million Dollar Boats“ erhielten. Sie fuhren ab dem 1. Juni 1927 im Liniendienst zwischen Sacramento und San Francisco für die California Transportation Company. Am 29. September 1940 hatten beide Boote ihre letzte Fahrt zum Ende der Golden Gate International Exhibition.

Die Delta Queen wurde von der US Navy eingezogen und für den Transport von Reservisten genutzt. So startete sie ihr „Militärleben“ am 16. Oktober 1940 in der Bucht von San Francisco. Im Herbst 1941 endeten die Charterverträge mit der US Navy und die Delta Queen kehrte nach Stockton zurück. Die California Transportation Company verkaufte beide Raddampfer an die Isbrandsten Steamship Co. aus New York, die sie an den Hudson bringen wollte. Doch mit Pearl Harbor wurden die beiden Boote wieder von der Navy für den Transport von Verwundeten gebraucht. Als Yard House Boat YHB-7 begann die zweite Karriere der Delta Queen für die US Navy. Am 5. Juli 1944 wurden beide Boote umklassifiziert als Yard Ferry Boats und die Delta Queen erhielt die Bezeichnung YFB-56. 1946 wurde beide Boote in die Reserve Fleet in Suisan Bay verbracht, der sogenannten Mothball Fleet. Am 28. August 1946 wurde die Delta Queen aus der Flottenliste der US Navy gestrichen. Beide Boote standen zum Verkauf.

Tom Greene von den Greene Line Steamers aus Cincinnati bot zunächst erfolglos auf die Delta King und erwarb schließlich am 17. Dezember 1946 die Delta Queen. Es folgte eine Reise durch den Panama Kanal nach New Orleans, allerdings mit Hilfe eines Schleppers. Am 18. Mai 1947 erreichte die Delta Queen New Orleans und den Mississippi. Dort wurde sie zunächst wieder von den für die Reise nötigen Verbauten befreit und trat unter eingener Kraft die Reise nach Pittsburgh an, wo sie in die Dravo Werft ging. Am 21. Juni 1948 nahm sie ihren Dienst für die Greene Line Steamers auf. 1966 beendete das Safety of Life at Sea Law beinahe ihre Karriere. Dieses in US Recht übernommene Gesetz verbot den Betrieb von Passagierschiffen mit hölzernen Aufbauten im Übernachtverkehr, wenn das Schiff mehr als 49 Betten hatte. Die Delta Queen hat 174 Betten. Man übersah, dass dieses auf Hochseeschiffe zugeschnittene Gesetz auch Flussschiffe erfasste.

Am 21. Oktober 1970 ging die Delta Queen auf ihre vorerst letzte Fahrt von St. Paul nach New Orleans, das die am 2. November 1970 erreichte. Doch Präsident Nixon unterzeichnete am 31. Dezember 1970 quasi in letzter Minute eine Ausnahmegenehmigung für die Delta Queen. Erst 1973 wurde der Name der Reederei von Greene Line Steamers in Delta Queen Steamboat Company geändert. Mehr zu deren Geschichte habe ich in diesem Beitrag geschrieben. Nach dem 11. September 2001 geriet auch die Delta Queen Steamboat Company in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten und die Delta Queen beendete am 5. Januar 2002 erneut eine letzte Fahrt. Die Rettung erfolgte dieses Mal durch Delaware North Companies, welche die Delta Queen Steamboat Company kaufte. So ging es im Jahr ihres 75. Geburtstags am 26. August 2002 wieder weiter. 2006 erfolgte ein weiterer Verkauf an Ambassadors International, welche die Delta Queen Steamboat Company in Majestic America Line umbenannte. Doch 2008 geriet auch diese Eigentümerfirma in finanzielle Schwierigkeiten. Die bis dahin immer wieder auf 10 Jahre erteilte Ausnahmegenehmigung vom Safety of Life at Sea Law lief am 31. Oktober 2008 und erneut brach die Delta Queen auf eine letzte Fahrt auf, die in New Orleans endete.

Delta Queen in Chattanooga, 2013
Delta Queen in Chattanooga, 2013

Im Februar 2009 fuhr die Delta Queen aus eigener Kraft nach Chattanooga und begann dort im April 2009 eine neue Karriere als schwimmendes Hotel. Zwischenzeitlich wechselte erneut die Eigentümerschaft auf Xanterra. Auch der Hotelbetreiber wechselte. 2014 schloss Leah Ann Ingram die Delta Queen als Hotel nach einem Wasserrohrbruch und diversen Schwierigkeiten mit der Stadt Chattanooga. Eine Ausnahmegenehmigung scheiterte am Senat, nachdem diese bereits das Repräsentantenhaus passiert hatte. Am 17. Februar 2015 unterzeichnete eine neu gegründete Delta Queen Steamboat Company unter der Führung von Cornel Martin, Leah Ann Ingram und Phillip Johnson einen Kaufvertrag mit Xanterra. Nur gut einen Monat später am 22. März 2015 verließ die Delta Queen mit Hilfe eines Schleppers Chattanooga und machte sich auf die Reise nach New Orleans. In Louisiana soll sie in eine Werft gehen und umfassend renoviert werden. Auch ein neuer Gesetzentwurf für eine Ausnahmegenehmigung wurde bereits auf den Weg gebacht. Es bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal klappt und die Delta Queen ab 2016 wieder in Betrieb gehen kann. Dann wäre auch wieder ein The Great Race gegen die Belle of Louisville möglich.

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